Finden Sie heraus, was Ihr Hund will

Hund im Sommer

In einer TV-Show hatte ein interessantes und sympathisches Gespann einen großen Talentwettbewerb gewonnen. Ein junger Mann und seine Jack Russell Hündin zeigten in lockerer Manier, was Mensch und Hund so auf die Beine stellen können. Das wirklich Beeindruckende dabei: man hatte keinen einzigen Befehl gehört. Keine Pfeife, kein Anraunzen, einfach eine lockere Slapsticknummer. So hatte es jedenfalls ausgesehen.

Natürlich fragt man sich, wie der junge Mann das eigentlich hinbekommen hat. Denn auf dem Hund-Herrchen-Planeten läuft es meist etwas anders ab. Da stehen Hundebesitzer im Park oder im Wald und rufen oder brüllen - je nach Temperament - nach ihrem Vierbeiner, der das elegant überhört. Oder das eine oder andere "Aus! Das ist Pfui!" wird, nachdem die Wurstpelle von der Straße aufgelesen und verschluckt wurde, mit einem freundlichen Schwanzwedeln kommentiert.

Blumige Ausdrücke tragen zur Unterhaltung der hundelosen Fußgänger bei, wenn etwa zwanzig bis dreißig mal "Fuß" gesagt wurde, und der beste Freund des Menschen eben diesen hinter sich herzieht. Sprüche wie "Ja, wer geht denn nun mit wem Gassi?" verbessern die Laune Herrchens da nicht wesentlich. So ein Spaziergang kann durchaus einige Peinlichkeiten mit sich bringen, oder auch ernstere Probleme.

Wer einen Chihuahua sein Eigen nennt, kann im Prinzip jede Debatte allein durch das Recht des Stärkeren zu seinen Gunsten entscheiden. Ist man nun aber Besitzer eines großen Hundes, der alle Welt liebt und diese Zuneigung auch gerne zurückgibt, indem er an wildfremden Menschen hochspringt, ist Ärger mit ziemlicher Sicherheit programmiert. Die Reinigungskosten für die bei Regenwetter ruinierten Sachen der Opfer können sich summieren - außerdem ist nachvollziehbar, dass nicht jeder unbedingt von einem Rottweiler geküsst werden mag. Auch nicht, wenn der liebe Hund nur spielen will.

Spätestens, wenn man sich nur noch im Schutz der Nacht mit seinem Hund auf die Straße traut, ist es an der Zeit, sich bei einer Hundeschule anzumelden oder vielleicht Fachliteratur zu studieren. Es gibt Tausende von guten Büchern in Sachen Hundeerziehung, und meist sind sie auch unterhaltsam zu lesen.

Gut ausgebildete Hunde gibt es für jeden Bedarf, vom Schutz- und Wachhund bis hin zum Blinden- oder Behindertenhund. Es gibt auch schon gute Erfolge bei dem Experiment, den Hund als Warner vor epileptischen Anfällen einzusetzen. Arbeitshunde helfen beim Hüten von Herden, bei der Jagd, und manche sammeln sogar Abfälle von steilen Bach- und Flussufern auf. Katastrophen-Schutzhunde haben schon unzählige Menschenleben gerettet, und Zirkushunde erstaunen das Publikum.

Wie das alles zustande kommt, ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: Was immer der Mensch vom Hund will - sobald dieser versteht, was verlangt wird, wird er bemüht sein, es zu tun. Es liegt in seiner Natur. Man muss sich nur verständlich machen können.

Und da Bello ein großer Anhänger des "Ursache und Wirkungsprinzips" ist, hat man gute Chancen, ihm zu zeigen, was man möchte. Der Hund begreift recht schnell, was erwünschtes und was unerwünschtes Verhalten ist. Macht er begeistert Männchen und bekommt direkt ein Leckerli oder ein dickes Lob, wird er das begeistert immer wieder tun. Nur muss es direkt folgen, so dass der Hund den Zusammenhang nachvollziehen kann. Das muss er, sonst bringt er seine Handlung und das Leckerchen nicht zusammen.

Das gilt auch für Strafe. Wenn man nach Hause kommt und der Hund hat dem teuren Läufer im Flur den Garaus gemacht, wird es kaum noch etwas nützen, ihm das einstmals schöne Teil um die Ohren zu hauen. Er versteht den Zusammenhang einfach nicht. Selbst wenn er einen schuldbewussten Eindruck macht, bedeutet das nichts. Denn wahrscheinlich ist Ihnen schon beim Eintreten angesichts der Bescherung ein spitzer Schrei entfahren. Und schon ist für Rex klar, dass etwas nicht stimmt - aber er weiß nicht was. Also wird er sich zur Sicherheit unterwerfen und demütiges Verhalten zeigen. Das ist seine Vorstellung von Sicherheit und Etikette.

Hätten Sie ihn erwischt, wie er hingebungsvoll auf dem guten Stück herumkaut, und dann geschrien - das hätte Sinn gemacht. Der Hund hätte das Schimpfen mit seiner direkten Handlung in Verbindung gebracht und verstanden, dass es keine gute Idee war, das wertvolle Textil zu ruinieren. Selbst das klappt nicht unbedingt beim ersten Mal, es kommt auf den Hund an - auch da gibt es Unterschiede im Schnellmerken. Sobald er aber wirklich den Zusammenhang hergestellt hat, wird er sich entsprechend verhalten.

Das nächste Szenario kennt fast jeder: man lässt das liebe Tierchen kurz von der Leine, und weg ist es. Rufen und Pfeifen bringt nichts, während die Füße immer kälter werden und die Dämmerung herabsinkt. Kommt er dann endlich bestens gelaunt von seiner Exkursion zurück, erwartet ihn eine wüste Gardinenpredigt des durchgefrorenen und angstgeschüttelten Menschen.

Beim nächsten Mal wird er noch länger wegbleiben. Denn die Schelte bezieht er auf das Zurückkommen, nicht auf das Ausbüxen. Also zögert er es hinaus, so lange er kann. Wird er gelobt, wenn er schmutzstarrend und begeistert angelaufen kommt, ist das "zu Herrchen laufen" weitaus positiver belegt und wird gern getan. Ein junger Hund lernt so, was von ihm erwartet wird. Da er sich seinen Platz in seinem Rudel erhalten will und überhaupt ein soziales Wesen ist, stellt er sich darauf ein.

Bei allem, was man ihm beibringen will, muss man das Prinzip von Ursache und Wirkung beachten - und zwar von der Warte des Hundes aus. Wenn der Vierbeiner an Menschen hochspringt, ist das keine Unart, sondern einfach seine Art zu grüßen. Der Schnauzenstoß ist bei Caniden nun einmal das, was wir "Hallo sagen" nennen würden. Er versteht erst einmal überhaupt nicht, warum alle sich so aufregen, wenn er das tut. Wer keine Probleme damit hat, beugt sich zu Rex hinunter, damit er diese symbolische Handlung ausführen kann und zufrieden ist - wer es einfach nicht will, wird ihm die flache Hand vor das Gesicht halten. Sobald er dann erstaunt ein wenig zurückweicht, wird dieses durch Lob oder auch Leckerchen verstärkt. Ein nettes Trainingsprogramm für die ganze Familie. Mit der Zeit wird der Hund weniger ungestüm reagieren - und die Leute auf der Straße sind wieder sicher.

Ein Hundekenner hat einmal gesagt: "Finden Sie heraus, was Ihr Hund will und befehlen Sie es ihm dann." Der launige Spruch hat einen sehr logischen Hintergrund. Tadeln Sie Wauzi, sobald Sie sehen, dass er im Begriff ist, etwas zu tun, dass Ihnen nicht gefällt - und genießen Sie die erstaunliche Wirkung. Und wenn Sie sehen, dass er tatsächlich auf dem Weg ist, die Pantoffeln zu holen - loben Sie ein wenig auf Vorschuss und er will mehr davon. Und das Leckerli will er natürlich auch. Man könnte sagen, viel Geduld und das richtige Timing sind das ganze Geheimnis einer guten Erziehung.

Wenn man nicht gerade einen Diensthund braucht, reichen außer den kleinen Kunststückchen, die dem Gespann Mensch-Hund so gefallen, eigentlich einige wenige Dinge. Er sollte sofort kommen, wenn er gerufen wird und sofort alles fallenlassen, wenn man es befiehlt. Ob die neuen Schuhe oder Nachbars Katze spielt da keine Rolle.

Seinen Platz sollte er kennen und diesen auch respektiert wissen, wenn er sich zurückziehen will. Und wenn man einige Dinge im Umgang mit dem Hund verinnerlicht, wird man sehr angenehm überrascht werden, wie feinfühlig so ein Familienmitglied sein kann. Hunde

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© "Finden Sie heraus, was Ihr Hund will" - ein Textbeitrag von , 2010. Bildnachweis: pixabay.com, CC0 (Public Domain Lizenz)

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