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Horror in all seinen Facetten bietet seit Mai 2026 die 23. Ausgabe der beliebten Zwielicht-Anthologiereihe. Die Herausgeber Achim Hildebrand und Michael Schmidt haben in "Zwielicht 23" sechzehn Kurzgeschichten sowie fünf Textbeiträge der Genres Horror und Unheimliche Phantastik zusammengestellt.
Einige Geistergeschichten, unter anderem von Algernon Blackwood, liegen nun auch als deutsche Übersetzungen vor. In den phantastischen Geschichten geht es um gruselige Geräuschesammler, und wer einem Sandwanderer begegnet, sollte sich schnellstens aus dem Staub machen.
Der Autor Michael Tillmann stellt die Frage "Beten Gespenster in ihrer Verzweiflung zu Gott um ihre Erlösung?", und Malte S. Sembten lässt uns "Die Seance der Schmerzen" erleben. Aber auch Themen rund um Vampire und Kannibalismus (Swift Runner) geraten ins Blickfeld und lassen uns das Lachen vergehen!
Die Herausgeber haben uns einen Textauszug aus der Erzählung "Vom tiefen Meer unter der Treppe" des Autors Thorsten Küper als Leseprobe zur Verfügung gestellt. Wir wünschen gruselige Momente:
Niemand wird mein Verschwinden jemals beklagen, niemand wird ein vergilbtes Foto meines Gesichtes mit dem stets abwesenden, in die Ferne gerichteten und zugleich gesenkten Blick streicheln, kaum jemand wird die Geschehnisse in dieser Kabine und meinen Verbleib hinterfragen und wenn, dann geschieht dies nur, um eine Akte zu schließen, zu archivieren und unter bürokratischem Staub zu begraben. Was verbleiben wird, ist das leere Haus in Sussex, das ich in meiner Kindheit gefürchtet und gehasst habe, und die verfaulten und morschen Ufer des ausgetrockneten Meeres unter jener breiten Marmortreppe.
Es ist der zweite Tag und ich hoffe, diesmal mehr Kraft für meine Aufzeichnungen zu finden als am gestrigen.
Bin ich auch an Bord dieses Schiffes auf dem Mittelmeer so weit in Zeit und Raum davon entfernt wie nie zuvor, so sind mein Verstand und meine Vorstellung doch verblieben in jenem Haus, das ich in den Sommern der Jahre 1905, 1906 und 1907 bewohnen, nein, ertragen musste und das mich letztendlich auf diese Reise geführt hat.
Blicke ich gerade durch das Bullauge, sehe ich das Château d'If. Jene Gefängnisinsel aus Dumas' "Der Graf von Monte Christo". Wie zerbrechlich ist dieser Kerker doch im Vergleich zu dem Kerker, in dem mein Verstand gefangen ist. Doch auf seltsame Weise gleicht er dem Haus, aus dem meine Seele nie wirklich entkommen ist.
Ich war gerade noch dreizehn, als ich es zum ersten Mal betrat. Damals voller Neugier, durchsetzt mit dezenter Hoffnung, auch Vorfreude, doch vor allem Furcht. Aus London angereist, von meiner Mutter geschickt, dieser blassen, schwachen und doch starken Frau. Hergegeben für drei Monate. Drei Monate mit einem Vater, der in den vorangegangenen dreizehn Jahren nie Interesse an mir gezeigt, nicht meiner Geburt, oder meinem Aufwachsen beigewohnt hatte und in mir nicht mehr als eine bürokratische Verpflichtung zu einer monatlichen Zahlung an seine ehemalige Mätresse gesehen hatte. Und der mich nun völlig unerwartet, aber in logischer Konsequenz als sein juristisches Eigentum verstehen wollte.
Wohlgemerkt waren das nicht meine damaligen Worte, jedoch vielleicht meine unausformulierten Empfindungen, als ich mit zwei Koffern, zu schwer für mich, so dass ich sie schleifte statt trug, seinen Landsitz betrat. Es gab auch eine Wohnung in London, drei Meilen von mir und meiner Mutter entfernt, aber das hatte ihn nie dazu getrieben, meine Nähe zu suchen. Nicht einmal begegnet war ich ihm und wenn, dann hätte ich ihn nicht erkennen können, denn es gab kein Bild von ihm.
In London übersah er mich.
In Sussex sah er alles von mir.
Ich erschien wie befohlen in jenem Haus bar jeder Symmetrie mit seinen aus Dach und Ecken hervorsprießenden, von unsichtbaren Wachen besetzten Türmchen, den Fenstern, hinter denen eine unheilige Schwärze lauerte, umwuchert von wildem Wein, der das Gemäuer nicht verzierte, sondern geradezu niederrang, als wolle das Land darunter selbst es in sich hinabreißen. Verschlingen, begraben wie einen Makel, dessen es sich schämte.
Damals glaubte ich, dass ich ein Makel war, den mein Vater bis zu meinem 13. Lebensjahr in London verborgen hatte. ... Ende der Leseprobe.
Die ganze Geschichte – und noch viel mehr – lest ihr nur im Horrormagazin "Zwielicht 23"!
Unsere Leseempfehlung: (Werbelink) Die Horroranthologie "Zwielicht 23" ist als E-Book, Taschenbuch und Hardcover erhältlich und umfasst rund 370 Seiten.
Das Titelbild ist wie immer von Björn Ian Craig. Die Illustrationen im Innenteil hat Adrian van Schwamen beigesteuert.
"Zwielicht 23": Alle Erzählungen auf einen Blick:
Thorsten Küper – Vom tiefen Meer unter der Treppe
Jerk Götterwind – Der schwarze Gast
Fergus Hume – Der Sandwanderer
Lena Marlier – Der Geräuschesammler
Sebastian Weber – Hühnersuppe
Thomas Grüter – Gambolto
Michael Tillmann – Beten Gespenster in ihrer Verzweiflung zu Gott um ihre Erlösung?
Jasper Nicolaisen – Andere spielen Golf
Kerstin Wandtke – Kara-Lynn
Malte S. Sembten – Die Seance der Schmerzen
Harold Lawlor – Urbane Legende
Uwe Durst – Im Krankenzimmer
Edward Frederic Benson – Die Hinrichtung des Alfred Wadham
Karin Reddemann – So eine wunderwunderschöne Pflanze
Algernon Blackwood – Der Dachboden
Maximilian Wust – Holz, Harz und Herzen
Weitere Textbeiträge:
Achim Hildebrand – Legenden des Kannibalismus: Swift Runner
Michael Schmidt – Catriona Ward
Michael Schmidt – Die drei Stigmata oder ein Zukunftsroman zwischen Glauben und Wirklichkeiten
Karin Reddemann – Fatty Arbuckle: Als in Hollywood das große Lachen starb
Karin Reddemann – Vampire im Visier
Noch mehr Horror und Phantastik erwartet euch in der Buchvorstellung zu "Zwielicht 22".
Auf der Webseite des Herausgebers Michael Schmidt findet ihr eine Fülle an Informationen zu den Genres Horror und Unheimliche Phantastik.
© Die phantastische Geschichte "Vom tiefen Meer unter der Treppe" stammt von Thorsten Küper. Den Herausgebern von "Zwielicht 23" sagen wir herzlichen Dank für diese Textauswahl, 06/2026.
Unsere Bücher gibt es auch im Autorenwelt-Shop!
Taschenbücher von Eleonore Radtberger sowie von Ilona E. Schwartz
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