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In ihrer Erzählung schildert die Autorin Nina Casement eindrücklich die Erlebnisse und die Not der Menschen während der Belagerung und der darauffolgenden Befreiung der Stadt Neuss.
In der Ich-Form beschreibt die mutige Hauptfigur Luitgard, wie die Menschen unter Hunger, Angst und Zerstörung leiden, aber auch, wie sie sich gegenseitig Halt geben, obwohl sie größten Widrigkeiten ausgesetzt sind.
Die Belagerung von Neuss fand von Juli 1474 bis Mai 1475 statt. Die kleine, aber stark befestigte Stadt Neuss verteidigte sich fast ein Jahr lang erfolgreich gegen die damals modernste Armee Europas unter Karl dem Kühnen, Herzog von Burgund.
Auslöser war die Kölner Stiftsfehde, bei der es um den Thron des Kölner Erzbischofs ging. Der abgesetzte Erzbischof Ruprecht von der Pfalz rief Karl den Kühnen zu Hilfe. Dieser rückte mit einem gewaltigen Heer an, das mit hochmoderner Artillerie ausgestattet war. Die rund 4.000 Einwohner der Stadt verteidigten sich vehement. Trotz schweren Beschusses, Nahrungsmangels und Karls Versuchen, die Stadtmauern zu zerstören, scheiterten alle Sturmangriffe.
Die Belagerung veranlasste Kaiser Friedrich III., den Reichskrieg auszurufen. Als sich das kaiserliche Entsatzheer im Mai 1475 der Stadt näherte, gab Karl der Kühne die Belagerung auf. Für ihren tapferen Widerstand verlieh der Kaiser der Stadt Neuss zahlreiche Privilegien und ein kaiserliches Stadtwappen.
Das Leben der elfjährigen Luitgard wird durch die Belagerung der Stadt dramatisch verändert. Anfangs gibt es noch Hoffnung, doch schnell nehmen Hunger, Erschöpfung und Angst überhand. Die Nahrung wird knapp, häufig ist nur noch karges Getreide verfügbar ("Das Gras vom Boden hätte ich gefressen, hätten das nicht bereits andere getan"). Die Menschen leiden körperlich sehr unter der Mangelernährung ("Meine Arme und Beine sahen aus wie Reisig").
Die Belagerung führt zu Zerstörungen, ständigen Angriffen mit Kanonenkugeln, beschädigten Mauern und einer bedrohlichen Atmosphäre mit wachsendem Misstrauen ("Bewaffnete Männer, die einander anbrüllten"). Luitgard beschreibt, dass sich die Stimmung trotz anfänglicher Skepsis hebt, als die Nachricht verbreitet wird, dass das Entsatzheer tatsächlich eintreffen wird. Dennoch bleiben viele misstrauisch, als die Stadttore geöffnet werden und sich Fremde nähern.
Tauschhandel auf abenteuerlichen Wegen ist für das Überleben der Menschen entscheidend ("Mutter gab mir zehn mit zierlicher Spitze veredelte Taschentücher mit"). Selbst kleine Dinge wie der Geschmack von Käse werden zu wertvollen Genussmomenten. Der Zusammenhalt unter den Menschen, etwa beim gemeinsamen Essen, gibt Kraft, um die schweren Zeiten zu überstehen. Auch das liebevolle Handeln von Luitgards Mutter zeigt den Willen, ein Stück Alltag zurückzugewinnen.
Beim Lesen kamen mir die Bilder vor Augen, und ich war sichtlich bewegt. An einigen Stellen erzählt Luitgard mit einer gewissen Leichtigkeit, die zum Schmunzeln anregt. Doch Krieg endet immer tödlich.
Meine Leseempfehlung: (Werbelink) "Grenzgang: Die Belagerung von Neuss" ist eine historisch detaillierte Kurznovelle, die als E-Book rund 40 Leseseiten umfasst. Die Autorin Nina Casement hat diese gut recherchierte Geschichte im Mai 2026 via tolino media veröffentlicht.
Diese Buchvorstellungen finden Sie hier auf unserem Portal:
– "Dehumanisation: Wege in den Terror": Unsere Rezension zu diesem fesselnden Roman.
– "Jagdsaison: Ein mörderischer Reisebericht": Ein spannender Reisethriller.
– "Wild Card": Ein postapokalyptischer Roadtrip.
– "Kurzes Solo": 11 dramatische Kurzgeschichten.
– "Zufallstreffen: Fabian und Sven": Eine romantische Novelle mit ernstem Beiklang.
– "Kein Heldenleben": Eine Parodie auf Fantasy- und Rollenspielklischees.
– "Anny Bunny": Schattenseiten einer Industrie der Lust.
Mehr Informationen über die Autorin sowie ihre Romanprojekte und Kurzgeschichten finden Sie auf ihrer Webseite.
© "Grenzgang: Die Belagerung von Neuss": Die Buchvorstellung zu dieser Kurznovelle wurde verfasst von Izabel Comati, 06/2026. Vielen Dank an Nina Casement für das Buchmanuskript, das ich lesen durfte und aus dem ich einige Zitate verwendet habe.
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