|
Im Oktober 2026 hat der Autor Volker Lasser sein siebtes Buch unter dem Titel "Verschlüsselte Märchen der Brüder Grimm" veröffentlicht. Eine Liste seiner bisher veröffentlichten Bücher finden Sie am Ende dieses Beitrags.
Im Mittelalter gab es wunderschöne Geschichten über die Liebe. Damals durfte über Sex offen gesprochen werden. Als die Neuzeit kam und mit ihr eine neue Moral, wonach Sex außerhalb der Ehe als Sünde galt, wurden viele alte Geschichten bei Strafe verboten. Die berufsmäßigen Geschichtenerzähler mussten ihr gesamtes Repertoire entsexualisieren, wenn sie nicht verhungern wollten.
Damit ihr Publikum die alten Geschichten trotzdem wiedererkennen konnte, haben die Komödianten und Sänger in den Epochen der Reformationszeit, des Barock und der Romantik mit einfachen Verschlüsselungen gearbeitet. Beispielsweise wurde der leidenschaftliche Liebhaber durch ein sprechendes Tier ersetzt und der Geschlechtsverkehr durch das Verschlingen eines Menschen.
Die so verschlüsselten Geschichten wurden weitererzählt, bis sie die Brüder Grimm aufzeichneten und in ihrem Märchenbuch veröffentlichten. Ihre Entschlüsselung legt versteckte Botschaften über Macht, Moral, Heiratsrecht und Kritik an der Obrigkeit frei, die in den Grimm'schen Märchen kaum erkennbar sind.
Unsere Leseempfehlung zum Sachbuch von Volker Lasser: (Werbelink) "Verschlüsselte Märchen der Brüder Grimm: Textverschlüsselungen und Textentschlüsselungen" umfasst rund 200 Leseseiten. Der Autor hat sein Buch via tolino media nur als E-Book veröffentlicht.
Das Verständnis von Moral hat sich seit dem Mittelalter verändert, in dem Sex noch kein Tabu war. Irgendwann in späteren Jahrhunderten galt Sex außerhalb der Ehe als unmoralisch und verpönt. Deshalb mussten alle literarischen Werke mit Sex entweder aufgegeben oder entsexualisiert werden. Sogar die Brüder Grimm haben sich nachweislich an der Entsexualisierung von Geschichten beteiligt.
Die fahrenden Sänger, die vom Vortrag solcher Geschichten lebten, mussten das Kunststück fertigbringen, die fraglichen Geschichten zu entsexualisieren, ohne die Handlung wesentlich zu verändern. Dazu gab es im Prinzip zwei Möglichkeiten.
Erstens. Man hätte versuchen können, Eheschließungen nach altem Recht durch kirchliche Trauungen zu ersetzen. Allerdings klappt das nicht immer. Beispielsweise in der Novellierung "Der Wolf und die sieben jungen Geißlein" hätte ein Priester den Menschen namens "Wolf(ram)" innerhalb von wenigen Tagen sechs Mal trauen müssen, davon fünfmal mit Bigamie. Das wäre wohl nicht nur dem Priester aufgefallen, sondern auch den sechs Mädchen.
Da, wo es möglich wäre, verliert das Stück gewaltig an Spannung und Dramatik und lockt daher keine Zuhörer an.
Eine realistische Novellierung ohne Sex, welche das zahlende Publikum akzeptieren würde, erforderte dichterische Qualitäten, über die die meisten reproduzierenden Sänger nicht verfügten. Deshalb kann man davon ausgehen, dass diese Möglichkeit kaum zum Tragen gekommen ist.
Zweitens. Man ersetzt die verbotenen Begriffe ohne Rücksicht auf die literarische Qualität des neuen Stücks durch unkritische Aliasbezeichnungen und erzählt die Geschichte einfach wie gehabt. Die Ersetzungen waren offensichtlich und leicht zu durchschauen. Das schafften auch Sänger, die über keine besonderen dichterischen Qualitäten verfügten.
Die Menschen erkannten die alten Geschichten, die sie liebten, zwischen den Zeilen problemlos wieder. Außerdem machte es den Leuten Spaß, mitanzusehen bzw. mitanzuhören, wie ein weltfremdes Verbot der Obrigkeit gefahrlos umgangen wurde.
Allerdings verloren die Novellierungen gewaltig an Qualität, weil es darin nur noch von Fabelwesen, Zauberei und anderen unrealistischen und unglaubwürdigen Szenen wimmelte. Aber das störte das Publikum nicht; es kannte ja den Grund.
Leider geriet der Anlass für die Novellierungen bald in Vergessenheit; sie galten bald nur noch als normale Märchen. ... Ende der ersten Leseprobe
Weitere Bücher von Volker Lasser stellen wir hier vor
– "Dreimal knapp daneben. Kommissar Jepsens verrückteste Fälle" (drei Kriminalgeschichten)
– "König Mahabazis missglückte Eroberung" (ein historischer Roman)
– "Abseits der Vorschriften" (witzige Geschichten aus einer Behörde)
– "Lieber liegen lassen" und "Die Rache des Schülers Andreas" (zwei Bände mit Erzählungen)
– "Universitätsmathematik ist ganz anders" (mit Tipps zur Prüfungsvorbereitung) ist ein Sachbuch, das für Schüler der Oberstufe und Mathematik-Studenten interessant sein dürfte.
Werfen wir zunächst einen Blick auf das alte Recht der Eheschließung. Demzufolge mussten drei Bedingungen erfüllt werden. Die erste war der vollzogene, einvernehmliche Geschlechtsverkehr von einem unverheirateten, erwachsenen Mann mit einer unverheirateten, erwachsenen Frau. Die zweite war die freiwillige Überreichung der sogenannten 'Morgengabe' durch den Mann am Morgen nach dem Geschlechtsverkehr, was gleichbedeutend mit einem Heiratsantrag war. Die dritte war die freiwillige Annahme der Morgengabe durch die Frau, was gleichbedeutend mit ihrer Zustimmung war.
Waren alle drei Bedingungen erfüllt, galt die Ehe als rechtsgültig. Sie wurde formal nur unter vier Augen geschlossen. Es gab keine dritte Person, vergleichbar einem Standesbeamten oder Priester, welcher die Eheschließung vornahm und beurkundete. Um die Bekanntgabe ihrer Vermählung mussten sich die Verheirateten selbst kümmern.
Diese drei Bedingungen machten Sinn.
Der einvernehmliche, vollzogene Geschlechtsverkehr stellte die Mindestvoraussetzung dar, dass in der Ehe Kinder gezeugt werden konnten. Für Nachkommen zu sorgen, galt nach den damaligen Sitten und Gebräuchen als oberste Pflicht von Eheleuten. Alles andere zählte nicht.
Wenn der Mann jedoch impotent, kastriert oder schwer verletzt im Intimbereich und deshalb zum Geschlechtsverkehr nicht fähig war, konnte die erste Bedingung nicht erfüllt werden. Wenn sich keine Lustgefühle bei dem Mann einstellen wollten, weil die Frau hässlich, entstellt, zu alt oder zu dominant oder er homosexuell war, klappte es auch nicht mit dem Verkehr. Das Gleiche galt auch umgekehrt, wenn die Frau sich nicht dem Mann hingeben wollte, weil er hässlich, abstoßend, grob oder sonst inakzeptabel war.
War zu befürchten, dass der Bräutigam oder die Braut später abstreiten würden, dass es zum Geschlechtsverkehr gekommen war, durften Mitglieder beider Familien durch ein Guckloch in der Tür zum Schlafzimmer zusehen, ob es geklappt hatte und dieses später bezeugen.
Wenn beim ersten Mal der Erfolg ausblieb, wurde in der darauf folgenden Nacht ein zweiter Versuch unternommen. Brachte der auch nichts, musste die Hochzeit abgesagt werden.
Die Morgengabe musste ein wertvolles Geschenk an die Frau sein, welches die Funktion einer Witwenversorgung hatte. Nach altem Recht erbte im Todesfall des Mannes dessen Familie und nicht seine Ehefrau. Damit die Witwe den Rest ihres Lebens nicht in Armut verbringen musste, benötigte sie die Morgengabe, welche ausdrücklich nicht unter die Erbmasse des Mannes fiel und der persönliche Besitz der Frau blieb. Unter Adligen kam etwa ein Beutel voller Gold- und Silbermünzen infrage. ... Ende der zweiten Leseprobe
Mehr erfahren Sie nur im Buch von Volker Lasser!
© Die Buchvorstellung von "Verschlüsselte Märchen der Brüder Grimm: Textverschlüsselungen und Textentschlüsselungen" wurde präsentiert von Izabel Comati und Winfried Brumma (Pressenet), 10/2026. Wir danken dem Autor Volker Lasser sehr herzlich für das Belegexemplar, ebenso dem Illustrator Arne Vierlinger, der das Buchcover entwarf.
Unsere Bücher gibt es auch im Autorenwelt-Shop!
Taschenbücher von Eleonore Radtberger sowie von Ilona E. Schwartz
Archive:
Jahrgänge:
2025 |
2024 |
2023 |
2022 |
2021 |
2020 |
2019 |
2018 |
2017 |
2016 |
2015 |
2014 |
2013 |
2012 |
2011 |
2010 |
2009
Themen:
Bedeutung der Krafttiere |
Magie der Bäume & Pflanzen |
Unsere Rezensionen |
Autoren gesucht |
Mythologie & Fantasy |
Bedeutung der Tarotkarten |
Ratgeber |
Kinder- & Jugendliteratur |
Sagen & Legenden |
Krimi & Thriller |
IT & Technik
Sie rezensieren Literatur oder schreiben Fachartikel? Für unser Literatur-Onlinemagazin suchen wir neue Autorinnen und Autoren! Schreiben Sie für uns Rezensionen oder Essays! Oder stellen Sie bei uns Ihre anspruchsvollen Romane und Erzählungen vor! Werden Sie Autor / Autorin bei uns – melden Sie sich!
Wenn Sie die Informationen auf diesen Seiten interessant fanden, freuen wir uns über einen Förderbeitrag. Empfehlen Sie uns auch gerne in Ihren Netzwerken. Herzlichen Dank!
Sitemap Impressum Datenschutz RSS Feed